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Land Rover Defender | Drucken |

Feld-Herr und Boulevard-Dandy

 

Ab 24.800 Euro ist der neue Land Rover Defender zu haben – wie bisher mit drei Radständen und verschiedenen Karosserievarianten – unter anderem auch als Pick-up. Kantig und kernig wie eh und je, trotzt auch der Neue dem Windkanal. Doch seine Fans, die vor allem in der britischen Forst- und Landwirtschaft, aber auch bei den Lords und Earls – sogar im britischen Königshaus – zu suchen sind, wollen ihn eben unverfälscht und nicht rund gespült. Er ist längst eine Ikone. Zwar wird vom Ende seiner Laufbahn ab und zu gesprochen – indes will keiner so recht daran glauben. Solange solche Fahrzeuge zugelassen werden können – ohne Airbags, beispielsweise – wird es wohl einen Defender geben. 

So tritt auch der nun überarbeitete Defender noch fast so an wie zu seinem Marktstart vor rund 60 Jahren. Lediglich der Defender-Schriftzug wanderte nach hinten, stattdessen prangt jetzt „Land Rover" an der Haube. Diese hat
landrover

übrigens einen ordentlichen Buckel bekommen - weniger eine Designfrage, als eine Notwenigkeit, um die erneuerte Technik im Motorraum platzieren zu können. Ansonsten ist äußerlich alles wie gewohnt - ein Auto, scheinbar aus Würfeln und Quadern zusammengesetzt, mit fast senkrechten Seiten und Scheiben und bulligen Kotflügeln. Rund sind gerade mal die Scheinwerfer, die Instrumente, die Räder und das Lenkrad. Ein Auto, wie es Kinder gern malen. Der Innenraum wurde schon deutlicher verändert. Die nun viel übersichtlicher angeordneten Instrumente stammen aus den Schubladen des Discovery. Zudem wurden bessere Sitze eingebaut, jetzt auch im Fond komplett in Fahrtrichtung. Die Klimaanlage funktioniert ganz klar besser als im Vorgänger, wird allerdings auch weiterhin nur auf Wunsch geliefert. Diesen sollte man sich aber unbedingt erfüllen.

In punkto Technik musste der Defender auf seinem 60-jährigen Weg noch nicht allzu viele Veränderungen hinnehmen. So ist der Motorenwechsel fast eine Revolution: Ein hochmoderner 90 kW/122 PS starker 2,4-Liter-Common-Rail-Turbodiesel aus der Ford-Entwicklung ist unter das Blech gezogen. Er löst den Td5 ab, bringt mit 360 Nm ab 2000 U/min ein um 20 Prozent höheres Drehmoment als dieser und läuft zudem viel kultivierter. Mit diesem Motor hat der Defender deutlich mehr Durchzug auf Asphalt und im Gelände. Der Motor schafft die aktuelle Abgasnorm und braucht je nach Modellversion zwischen zehn und elf Litern Kraftstoff auf 100 Kilometer. Neu ist auch das Sechsgang-Schaltgetriebe, dessen kürzer übersetzter erster Gang sich im Gelände positiv bemerkbar macht, während der längere sechste Gang entspanntes Cruisen bei niedrigerem Geräuschpegel sowie sparsamerem Verbrauch ermöglicht.

Die Antriebskraft wird wie bisher per Mittendifferenzial permanent an alle vier Räder geleitet, die Kraftverteilung kann im Gelände im Verhältnis 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse gesperrt werden. Damit ist der Defender schon prädestiniert für den Einsatz abseits befestigter Wege. Wer ein bequemes Reisemobil sucht, wird allerdings dafür besser geeignete Fahrzeuge finden. Erstmal schafft der Defender nur eine Spitze von 132 km/h, und dann geht es mit ihm und seinem Leiterrahmen auf dem Asphalt eben nicht so komfortabel voran wie mit Fahrzeugen, deren Karosserien freitragend sind. Es hippelt ein wenig, in den Kurven wankt es auch schon mal. Und Sicherheitselemente wie Airbags, ABS oder ESP sucht man in dem eher als Arbeitstier konzipierten Defender vergebens. Doch das interessiert eben auch diejenigen nicht, die sich vor allem seine guten Offroad-Eigenschaften zunutze machen wollen. Nach Aussagen von Land Rover-Sprecher Paul Entwistle sind das beispielsweise 80 Prozent der Landwirte in Großbritannien, die sich irgendwann in den vergangenen 60 Jahren einen Defender zugelegt haben. Und was schon überrascht: Rund drei Viertel aller 1,9 Millionen in dieser Zeit gebauten Defender seien heute noch im Einsatz.           

 

Eva-Maria Becker